Schallschutz bei Reihenhäusern

Anforderungen
Für die Luftschalldämmung bei Haustrennwänden zwischen Reihen- und Doppelhäusern fordert DIN 4109 "Schallschutz im Hochbau" ein bewertetes Schalldämm-Maß erf. R'w = 57 dB. Dieser Schallschutz gilt im Sinne der Landesbauordnungen ohne weitere vertragliche Vereinbarung als Regel der Technik und damit als geschuldet. Im Beiblatt 2 zur DIN 4109 werden als erhöhter Schallschutz erf. R'w = 67 dB vorgeschlagen. Nach dem Wortlaut der Norm sind erhöhte Schallschutzanforderungen zwischen den Vertragspartnern ausdrücklich zu vereinbaren. Die Rechtsprechung ist inzwischen einen eigenen Weg gegangen. Sie bezeichnet die Vorschläge für den erhöhten Schallschutz als eine mittlere Qualität und deshalb auch ohne besondere Vereinbarung als geschuldet. Dieser erhöhte Schallschutz ist nur durch zweischalige Haustrennwände zu gewährleisten.

Die Anforderungen an den erhöhten Schallschutz nach DIN 4109 mit 67 dB ist auch zu erfüllen, wenn Reihenhäuser als Eigentumswohnungen auf einem gemeinsamen Grundstück ausgewiesen werden. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass dann nur der niedrigere Schallschutz für Wohnungstrennwände ( DIN 4109: 53 dB/ erhöhter Schallschutz 55 dB) geschuldet ist. Auch bei Reihen- und Doppelhäusern im Rahmen des kostengünstigen Bauens, sind beim Schallschutz grundsätzlich die Regeln der Technik einzuhalten. Anerkannte Regeln der Technik sind jedoch, dass bei Reihenhäusern Haustrennwände immer zweischalig auszuführen sind.
Nicht geregelt in DIN 4109 ist der Körper- bzw. Trittschallschutz. Den derzeitigen Stand der Technik ergeben im Streitfall die Gutachten von Sachverständigen. Unbestritten ist beispielsweise, dass Treppen von den Haustrennwänden akustisch getrennt sein müssen. Bei Stahlkonstruktionen bedeutet dies die Verwendung elastischer Lager. Für Körperschallübertragungen gilt, dass sie mangelhaft sind, wenn der Schallpegel in schutzbedürftigen Räumen (Wohn-, Schlafzimmer, nicht Bäder) mehr als 30 dB (DIN 4109, Tab. 4) beträgt.

Beispiele für bewertetes Schalldämm-Maß
erf. R'w = 67 dB bei unterkellerten Gebäuden,
Trennfugenbreite > 30mm

Steinroh-
dichteklasse
Mindestdicke (mm)
der Schalen ohne Putz
0,9 2 x 240
1,2 175 + 240
1,4 2 x 175
1,6 115 + 175
2,0 2 x 115
Die Vergrösserung der Fugenbreite um 2 cm
verbessert das Schalldämm-Maß um ca. 5 dB
(vgl. Mauerwerkskalender 1999, S. 616)

Berechnung
Je schwerer eine Wand, desto besser ist der Schallschutz. Dies gilt auch für zweischalige Haustrennwände. Zusätzlichen Einfluss hat die Fugenbreite. DIN 4109 fordert als Mindestfugenbreite 3 cm. Besser ist eine breitere Fuge von 4 cm bis 5 cm. Dies erhöht den Schallschutz und vergrößert die Ausführungssicherheit gegenüber Schallbrücken. Das bewertete Schalldämm-Maß R'w einer zweischaligen Wand wird berechnet aus der flächenbezogenen Masse ("Flächengewicht") beider Schalen einschließlich Putz. Für dieses Flächengewicht liest man in entsprechenden Tabellen für einschalige Wände das Schalldämm-Maß ab und addiert zu diesem Wert 12 dB für die zweischalige Ausführung. Dieses Verfahren gilt nur bei unterkellerten Gebäuden! Und auch hier wird der volle Schallschutz erst im Erdgeschoss erreicht. Im Keller ist die Schalldämmung um 4-5 dB schlechter. Entsprechendes gilt für nichtunterkellerte Gebäude. Die Trennung der Fundamente und der Sauberkeitsschicht unter den Fundamenten kann einen fehlenden Keller nur z.T. ausgleichen. Der Grund ist, dass die Schalldämmung nicht nur durch den langen Weg des Schalls über den Keller erfolgt, sondern auch durch die "Verzweigungsdämmung" in den Wand-Decken-Knoten der Kellerdecke.

Verzweigungsdämmung
Abb. 1: Verzweigungsdämmung in den
Wand-Decken-Knoten der Kellerdecke

Wer ohne Keller baut, hat nicht nur eine schlechtere Schalldämmung, sondern kann den erwarteten Schallschutz rechnerisch nicht nachweisen. Er benötigt eine Eignungsprüfung in einem Prüfstand einer anerkannten Prüfanstalt oder drei Güteprüfungen an ausgeführten Bauvorhaben. Der erhöhte Schallschutz ist ohne Keller kaum zu erreichen!

Ausführung
Bei zweischaligen Haustrennwänden sind beide Schalen konsequent vom Keller bis zum Dach zu trennen. Schallbrücken aus Mörtel oder Beton dürfen nicht auftreten. Bereits kleine Schallbrücken verschlechtern den Schallschutz erheblich. Eine Mineralfaserplatte nach DIN 18165-2 Typ T (Trittschallplatte) verhindert Mörtelbrücken. Zusätzlich verbessert sie den Schallschutz, da sie für schallbedingte Luftdruckschwankungen einen Strömungswiderstand darstellt ("Hohlraumdämpfung"). Platten aus anderen, nicht faserigen Materialien können dagegen die Schalldämmung verschlechtern.

Dachanschluss
Abb. 2: Ausführung Dachanschluss

Im Dach sind Wärmebrücken und Undichtigkeiten zu vermeiden. Der Wandkopf ist mit einer Wärmedämmung abzudecken. Fehlt diese, treten erhöhte Wärmeverluste und niedrige Wandoberflächentemperaturen (Tauwassergefahr!) auf. Zusätzlich ist die Durchströmungssperre der Dachfläche sorgfältig an die Trennwand anzuschließen. Durchströmungen führen nicht nur zu Wärmeverlusten und Tauwasserschäden, sondern auch zu akustischen Mängeln. Pfetten u.ä. sind sorgfältig einzudichten, Dachsparren zu trennen.

Hoher Schallschutz ist machbar
Durch richtige Planung und fachgerechte Ausführung sind die erhöhten Schallschutzanforderungen bei Reihen- und Doppelhäuser in Ziegelbauweise problemlos zu erreichen.

 

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