Anordnung von Brandwänden

Wo Brandwände anzuordnen sind, regeln die Landesbauordnungen. Im Grundsatz ähneln sich die Landesbauordnungen, kleine Abweichungen vor allem hinsichtlich Erleichterungen sind aber möglich. Die folgende Zusammenfassung bezieht sich auf die Musterbauordnung 2002.

1. Brandwände an der Grenze zum Nachbarn
Stehen Abschlußwände 2,50 m oder näher an der Grundstücksgrenze, sind sie als Brandwand auszuführen (Abb. 1a u. 1b).
Abknickende Abschlußwände innerhalb des Grenzstreifens von 2,5 m müssen als Brandwand ausgeführt werden, wenn sie in einem Winkel von weniger als 75 zur Nachbargrenze stehen (Abb. 1c).

Abschlußwände, die mehr als 2,50 m von der Grenze entfernt stehen (auch wenn es nur 1 cm ist) benötigen keine Brandwand, auch wenn die vorhandene oder geplante Nachbarbebauung weniger als 5 m von dem Gebäude entfernt ist (Abb. 1d).

Anstelle von Brandwänden sind bei Wohngebäuden geringer Höhe mit nicht mehr als zwei Wohnungen feuerbeständige Wände (F 90) zulässig. In einigen Bauordnungen ist diese Ausführung bei Wohngebäuden geringer Höhe auch ohne Begrenzung der Zahl der Wohnungen möglich (Abb. 1e+ 1f).

Zwischen aneinandergereihten Gebäuden müssen diese feuerbeständigen Wände (F 90) so dick wie eine Brandwand sein. Einigen Bauordnungen erlauben bei diesen Gebäuden anstelle von Brandwänden Wände ohne Öffnungen, die vom Gebäudeinneren die Anforderung der Feuerwiderstandsklasse F 30 und vom Gebäudeäußeren die Feuerwiderstandsklasse F 90 erfüllen.

2. Brandwände zwischen aneinandergereihten Gebäuden auf dem selben Grundstück
Zwischen aneinandergereihten Gebäuden auf dem selben Grundstück sind Brandwände im Abstand von höchstens 40 m vorzusehen. Die Brandwand ist mindestens 30 cm über das Dach zu führen, bei weicher Bedachung mindestens 50 cm (Abb. 2 ).

Anstelle von Brandwänden sind bei Wohngebäuden geringer Höhe mit nicht mehr als zwei Wohnungen feuerbeständige (F 90) Wände zulässig (Abb. 1f). Einige Bauordnungen erlauben diese Ausführung bei Wohngebäuden geringer Höhe auch ohne Begrenzung der Wohnungszahl. Zwischen aneinandergereihten Gebäuden müssen diese feuerbeständigen Wände so dick wie eine Brandwand sein.

Bestehen wegen des Brandschutzes keine Bedenken enthalten einige Bauordnungen bei diesen Gebäuden weitere Erleichterungen. Anstelle von Brandwänden erlauben sie Wände ohne Öffnungen, die vom Gebäudeinneren die Anforderung der Feuerwiderstandsklasse F 30 und vom Gebäudeäußeren die Feuerwiderstandsklasse F 90 erfüllen.

3. Brandwände zwischen Wohngebäuden und Betriebsgebäuden
Brandwände sind vorzusehen zwischen

  • Wohngebäuden und angebauten landwirtschaftlichen (in einigen Bauordnungen auch für Forstwirtschaft oder Gartenbau) Betriebsgebäuden auf einem Grundstück sowie
  • dem Wohnteil und dem landwirtschaftlichen Betriebsteil eines Gebäudes, wenn der umbaute Raum des Betriebsgebäudes oder -teiles größer als 2000 m³ ist (Abb. 3a).

Land - und forstwirtschaftliche sowie gärtnerische Betriebsgebäude sind durch Brandwände in Brandabschnitte von höchstens 10.000 m³ umbautem Raum zu unterteilen (Abb. 3b).

4. Brandwände zwischen unterschiedlich gefährdeten Gebäuden
Zwischen unterschiedlich gefährdeten Gebäuden oder Gebäuden unterschiedlicher Bauart und Nutzung sowie zur Abtrennung von brandgefährdeten oder brandanfälligen Gebäudeteilen sind Brandwände vorzusehen (Abb. 4a).

Das gleiche gilt für die Trennung von Gebäudeteilen, wenn einige Bereiche durch automatische Feuerlöschanlagen (z.B. Sprinkler) geschützt sind und andere nicht (Abb. 4b).

5. Brandwände innerhalb ausgedehnter Gebäude
Die Fläche eines Brandabschnittes ist auf 1600 m² beschränkt. Ausgedehnte Gebäude sind deshalb durch Brandwände in Abständen von maximal 40 m zu unterteilen. Die Brandwand ist mindestens 30 cm, bei weicher Bedachung mindestens 50 cm über das Dach zu führen (Abb. 5).

Abb.5: Zur Beschränkung eines Brandabschnittes auf 1.600 m², sind Brandwände im Abstand von 40 m zu errichten

6. Sonstiges
Für Gebäude besonderer Art und Nutzung sind die Regelungen den zugehörigen Verordnungen zu entnehmen, bzw. mit der Bauaufsicht festzulegen.

Literatur
(1) Musterbauordnung, Landesbauordnungen
(2) Bayerische Versicherungskammer, München: Informationsschriften zum Baulichen Brandschutz
(3) Mayr, Josef: Brandschutzatlas, Feuertrutz GmbH, Wolfratshausen

 

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