Brandschutztechnische Eigenschaften von Ziegelmauerwerk mit Zusatzdämmung (AMz-Bericht 7/1997)

Einleitung

Im Geschoßwohnungsbau kommen in der letzten Zeit auch Außenwandkonstruktionen aus Ziegelmauerwerk in den Wanddicken 175 bzw. 240 mm mit Zusatzdämmung zum Einsatz.
Dieser Bericht gibt eine Übersicht über die brandschutztechnischen Eigenschaften dieser Konstruktionen.

Brandschutztechnische Bewertung von Zusatzdämmungen

Die deutsche Brandschutznorm DIN 4102-4 /1/ unterscheidet zwischen nichtbrennbaren Zusatzdämmungen (Baustoffklasse A, z.B. Mineralfaser-Platten) und brennbaren Zusatzdämmungen (Baustoffklasse B, z.B. Polystyrol-Hartschaum). Eine Dämmung aus nichtbrennbaren Baustoffen darf nach DIN 4102-4 wie eine Putzschicht angesetzt werden.
Wände mit brennbarer Dämmschicht werden in DIN 4102-4 dagegen wie unverputzte Wände eingestuft. Ein brandschutztechnisch wirksamer Putz schützt das Ziegelmauerwerk zusätzlich daher sind die aus Brandschutzgründen erforderlichen Wanddicken von verputztem Mauerwerk meist geringer als bei unverputztem Mauerwerk.

Tabelle 1: Brandschutztechnisch wirksame Bekleidungen von Mauerwerk nach DIN 4102-4, Abs. 4.5.2.10

Brandschutz-Anforderungen an Ziegelaußenwände mit Zusatzdämmung

Bauaufsichtlich wird nach den Anforderungen

unterschieden.

Brandwände aus Ziegeln

An Brandwände werden technisch und auch bauaufsichtlich die höchsten Anforderungen gestellt. Brandwände dürfen nach den Landesbauordnungen nur aus nichtbrennbaren Baustoffen hergestellt werden.
Zusatzgedämmte Brandwände müssen also immer mit nichtbrennbaren Dämmstoffen der Baustoffklasse A bekleidet werden.

Erforderliche Mindestdicke von Brandwänden aus Ziegeln

Brandwände aus Ziegelmauerwerk müssen nach DIN 4102-4 und neueren Prüfzeugnissen des IBMB Braunschweig die in der Tabelle 2 angegebenen Mindestwanddicken aufweisen. Die Prüfzeugnisse können bei der Arge Mauerziegel, Schaumburg-Lippe-Str. 4, 53113 Bonn bezogen werden.

Tabelle 2: Einschalige Brandwände aus Ziegelmauerwerk innenseitig verputzt mit nichtbrennbarer Außendämmung

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1751)
DIN 105-2 HLz B
Þ>=0,9
1751)
DIN 105-2 HLz W
Þ>=0,8
2402)
1) nach Prüfergebnis Nr. 3152/1494 des IBMB Braunschweig
2) nach Prüfergebnis Nr. 3250/6463 des IBMB Braunschweig

Feuerbeständige Wände aus Ziegeln (F 90)

Die Anforderungen an feuerbeständige Wände sind geringer als an Brandwände. Daher sind die erforderlichen Wanddicken für F 90-Konstruktionen meist geringer als für Brandwände.

Erforderliche Mindestdicke von zusatzgedämmten F 90-Wänden aus Ziegeln

Die erforderlichen Wanddicken für feuerbeständige Ziegelwände mit nichtbrennbarer Zusatzdämmung (Baustoffklasse A) enthält die Tabelle 3.

Tabelle 3: Einschalige Wände aus Ziegelmauerwerk
Feuerwiderstandsklasse F 90
Ausnutzungsfaktor = 1,0
innenseitig verputzt mit nichbrennbarer Außendämmung (F 90-A)

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1151)
DIN 105-2 HLz A und B
Þ>=0,8
1151)
DIN 105-2 HLz W
Þ>=0,8
240
1) In Fällen, wo feuerbeständige Wände anstelle von
Brandwänden ausgeführt werden dürfen (z.B. Gebäude-
abschlußwände zwischen Wohnhäusern geringer Höhe
OFF <= 7 m, s. auch Bild 1 aus /2/) müssen diese
Wände in der gleichen Dicke wie Brandwände
ausgeführt werden, s. Tabelle 2.

Gebäudeabschlußwände dürfen bei Gebäuden geringer Höhe mit <= 2 Wohneinheiten in der offenen Bauweise als öffnungslose (d.h. raumabschließende) feuerbeständige Wände unter Verwendung von brennbaren Zusatzdämmungen ausgeführt werden.

Tabelle 4: Einschalige raumabschließende Wände aus Ziegelmauerwerk
Feuerwiderstandklasse F 90
Ausnutzungsfaktor = 1,0
unverputzt ( F 90-A) oder innenseitig verputzt mit brennbarer Außendämmung (F 90-AB)

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1751)
DIN 105-2 HLz A und B
Þ>=1,0
2402)
1) für nichtraumabschließende Wände gilt d>=240 mm
2) nach Prüfzeugnis Nr. 3210/0745 des IBMB Braunschweig, vermauert mit LM 36 oder Normalmörtel

Zusammenfassung

Ziegelaußenwände erfüllen auch mit brennbarer Zusatzdämmung bereits in der aus statischer und schallschutztechnischer Sicht empfehlenswerten Mindestwanddicke d = 240 mm die brandschutztechnischen Anforderungen für feuerbeständige Wände ( F 90-AB). Brandwände müssen grundsätzlich aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen.

Literatur

/1/ DIN 4102-4; 03.94; Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile

/2/ Hahn, C.: Mauerwerk nach DIN 4102-4, Ausgabe 1994. Berlin, Ernst & Sohn, In: Mauerwerk-Kalender 22 (1997), S. 531-565

Bild 1: Anordnung von Brandwänden an Grundstücksgrenzen (Beispiele) aus /2/

Dr. My-AMz, September 1997