Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste
(AMz-Bericht 5/1997)1. Einleitung
Die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel hat in den letzten Jahren mehrere Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben, energetischen Auswirkungen der Solarabsorption auf Außenwänden zur Reduktion der Transmissionswärmeverluste und die damit verbundene Verringerung des Heizenergiebedarfs zu untersuchen. Im Bericht 2/95 der AMz sind ein großer Teil der Ergebnisse vorgestellt worden. Aus aktuellen Anlaß erfolgt eine erneute Berichterstattung. Die Betrachtung der solaren Zustrahlung auf opake Bauteilflächen mit den damit verbundenen Energiegewinnen findet bislang zu wenig Beachtung in den bekannten Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Wärmebedarfs von Gebäuden. Die europäischen Regelwerke zur Berechnung des Heizwärmebedarf von Gebäuden ermöglichen allerdings zukünftig die Berücksichtigung dieser Solareffekte [5] , die sich im Nachweisverfahren einer novellierten Heizenergieverordnung wiederum positiv auswirken können.
2. Durchgeführte Messungen
In [1] wurden 13 verschiedene Außenwandkonstruktionen mit unterschiedlichen Aufbauten in Leicht- und Schwerbauweise und mit verschieden gestalteten Oberflächen untersucht. Die rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten der vorrangig aus Ziegelmauerwerk erstellten Wände lagen zwischen 0,27 und 0,88 W/m²K und bilden die gesamte Palette bauüblicher Konstruktionen ab. Die Absorptionskoeffizienten der farbigen Oberflächen wurden gemessen und sie ergaben für weiße Oberputze Werte von ca. 0,3 und für dunklere Oberflächen Werte zwischen 0,65 (rote VMz) und 0,78 (dunkelbrauner Anstrich). Dies bedeutet, daß zwischen 30 und 78 % der einfallenden kurzwelligen Solarstrahlung an der Oberfläche absorbiert und in Wärme umgewandelt werden kann. Tabelle 1 zeigt eine Zusammenstellung üblicher Außenbeschichtungen und -farben mit den dazugehörenden Absorptionskoeffizienten der Solarstrahlung.
| Oberfläche | Farbe |
Absorptionskoeffizient der Solarstrahlung |
| Mineralischer Putz | weiß (Neuanstrich) | 0,15 - 0,25 |
| Mineralischer Putz | weiß - hellgrau | 0,3 |
| Mineralischer Putz | mittelbraun | 0,5 |
| Vormauerziegel | rot - dunkelrot | 0,65 - 0,7 |
| Mineralischer Putz | oxydrot, dunkelbraun | 0,65 - 0,75 |
Vergleicht man die Wärmeverluste einer weißen, nach Norden orientierten Wand mit
einer dunklen, nach Süden orientierten über die Heizperiode, ergeben sich für diese
bis zu 23 % geringere Verluste durch die Sonnenzustrahlung bei gleichem rechnerischen
Wärmedurchgangskoeffizienten. Selbst eine weiße, nach Süden orientierte massive Wand
kann bis zu 9 % reduzierte Wärmeverluste gegenüber einer massenlosen und ohne
Strahlung beaufschlagten Außenwand aufweisen.
Ähnliche Ergebnisse werden in [2] dargestellt. Hier sind allerdings lediglich
zwei unterschiedliche Südwände, nämlich eine 50 cm starke Leichthochlochziegelwand
und eine 15 cm starke Ziegelwand mit Wärmedämmverbundsystem meßtechnisch und
rechnerisch untersucht worden. Beide Außenwände weisen nahezu gleiche rechnerische
Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,38 bzw. 0,39 W/m
Diese Reduktionen gelten für den sehr strahlungsreichen Standort Holzkirchen. Für das mittlere deutsche Klima mit Referenzort Würzburg muß von ca. 20 % geringeren Einsparungen ausgegangen werden.
Tabelle 2 zeigt eine Zusammenstellung der sich aus den Untersuchungen [1-3] ergebenden effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten im Vergleich zu denen ohne solare Zustrahlung und der unterschiedlichen Farbgestaltung aller untersuchten Außenwände.
Tabelle 2:
Effektive Wärmedurchgangskoeffizienten und prozentuale Verbesserungsmaße
von südorientierten Außenwänden mit unterschiedlicher Farbgebung und
verschiedenartigem Aufbau.
|
Wärmedurch- gangskoeffi- zient ohne Strahlung kR[W/m2K] |
Solarer Absorpti- onskoeffi- zient |
Bauweise |
Effektiver Wärmedurchgangskoeffi- zient keff [W/m2K] |
Ver- besse- rungs- maß [%] |
||
| nach [1] | nach [2] | nach [3] | ||||
| 0,77 | 0,78 | monolith | 0,59 | 23 | ||
| 0,77 | 0,27 | mololith | 0,71 | 9 | ||
| 0,68 | 0,65 | 2-schalig | 0,58 | 15 | ||
| 0,45 | 0,78 | WDVS | 0,35 | 22 | ||
| 0,27 | 0,78 | Holzständer | 0,21 | 24 | ||
| 0,39 | 0,68 | WDVS | 0,34 | 12 | ||
| 0,38 | 0,71 | monolith | 0,32 | 16 | ||
| 0,72 | 0,67 |
monolith 30 cm |
0,56 | 23 | ||
| 0,72 | 0,49 |
monolith 30 cm |
0,60 | 17 | ||
| 0,73 | 0,26 |
monolith 30 cm |
0,66 | 9 | ||
| 0,66 | 0,15 |
monolith 30 cm |
0,65 | 2 | ||
| 0,48 | 0,67 |
monolith 36,5 cm |
0,38 | 21 | ||
| 0,60 | 0,15 |
monolith 36,5 cm |
0,59 | 2 | ||
| 0,44 | 0,32 |
Dämmputz 30,0+6,0 cm |
0,40 | 10 | ||
| 0,38 | 0,71 |
2-schalig Klinker |
0,28 | 26 | ||
| 0,60 | 0,67 |
monolith 36,5 cm Nord |
0,56 | 7 | ||
3. Rechnerische Untersuchungen
Für die Praxis sind die zuvor dargestellten Verbesserungsmaße in die Energiebilanz
eines Gebäudes aufzunehmen, um die Auswirkungen auf den Heizwärmebedarf
berechnen zu können. In der Regel weisen Gebäude in der Südfassade die geringsten
Außenwandanteile auf, da hier insbesondere Fensterflächen zur Solarenergienutzung
angeordnet sind. Mittels rechnerischer Untersuchungen [4] sind die effektiven
Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenwände über die vier Hauptorientierungen
typischer Gebäude ermittelt worden. Dazu sind die zuvor gemessenen Absorptionsgrade
der Außenwände in die Energiebilanzen der Wohngebäude eingeflossen, um so mittlere
effektive Wärmedurchgangskoeffizienten und deren Einfluß auf die
Heizwärmeeinsparung ermitteln zu können.
Es ergeben sich im Mittel Verbesserungen des rechnerischen
Wärmedurchgangskoeffizienten sämtlicher Außenwände zwischen 4 und 6% für
helle und 9 und 14 % für dunkle Oberflächen. Den höchsten Bonus erreicht
die zweischalige, dunkelrot verklinkerte Außenwand. Die dynamischen Berechnungsergebnisse
zeigen damit eine gute Übereinstimmung mit den Meßergebnissen.
4. Auswirkung auf den Heizwärmebedarf
Bedenkt man, daß die Transmissionswärmeverluste der gut gedämmten
Außenwände nur einen kleinen Teil des gesamten Heizwärmebedarfs
ausmachen, wird klar, daß die Einsparpotentiale zur Heizenergie relativ gering sind.
Die Simulationsrechnungen [4] haben ergeben, daß bei Einsatz heller,
d.h. verputzter einschaliger Außenwände 1,5 - 4,5% Heizwärme durch
Solarabsorption eingespart werden kann. Bei dunklen Oberflächen liegen
diese Werte zwischen 2 und etwa 8% Eneergieeinsparung.
Dieser Bonus ist weitestgehend unabhängig von der ein-oder zweischaligen Bauweise,
jedoch zeigen schwere Außenwände tendenziell höhere Verbesserungsmaße als
leichte Wände wie z. B. hochgedämmte Holzständerkonstruktionen. Dies ist
durch den erhöhten Ausnutzungsgrad der solaren Gewinne bei schweren Bauweisen
zu erklären [6]. In jedem Fall ist das Einsparpotential durch die Farbgebung
immer für das zu betrachtende Objekt zu ermitteln, um Standortdaten,
Fensterflächenanteile, Verschattungen, etc. mit zu berücksichtigen.
Bild 1 gibt die Spannweite der möglichen prozentualen Heizwärmeeinsparungen durch die Berücksichtigung der effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten sämtlicher untersuchter Außenwände unterschiedlicher Gebäude mit verschiedenen solaren Absorptionsgraden wieder.
Bild 1: Durchschnittliche prozentuale Heizwärmeeinsparung gefärbter Außenoberflächen.
5. Berücksichtigung in der Normung
Die Effekte der Verringerung der Wärmedurchgangskoeffizienten von
Außenwänden durch die solare Einstrahlung sind in der Fachwelt
bekannt und allgemein unumstritten. Die rechnerische Berücksichtigung
dieser zusätzlichen Solargewinne ist in ein europäisches Normenwerk zur
Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs von Wohngebäuden mit eingeflossen [5].
Diese prEN 832, die aller Voraussicht nach Basis des Nachweisverfahren
für eine novellierte und verschärfte Wärmeschutzverordnung wird, geht im
wesentlichen auf Arbeiten von Prof. Dr. Werner zurück. In einer Paramaterstudie
mit Hilfe dieses neuen Rechenverfahrens wurde nachgewiesen [7],
daß die Reduzierungen der k-Werte der Außenbauteile durchaus
spürbare Heizwärmeeinsparungen von etwa 2% bewirken, trotz
zusätzlicher langwelliger Abstrahlungen der Dachfläche an den Himmel.
Dieser Rechenansatz gilt aber richtigerweise für alle opaken Bauteile,
ob leichter oder schwerer Art. Weiterhin soll für den Fall der gesonderten
Ermittlung der Solarstrahlungsgewinne auch die langwellige Abstrahlung
während der Nacht und der Strahlenaustausch mit der Nachbarbebauung
berücksichtigt werden. Dies ist für die den Himmel zugewandten Dachflächen
äußerst sinnvoll, bei Wandflächen kann man aber davon ausgehen, daß diese
Effekte im äußeren Wärmeübergangskoeffizienten enthalten sind.
Diese Prozedur entspricht durchaus realen Wärmetransportvorgängen
und kann innerhalb eines stationären Rechenmodells wie der pr EN 832
als gangbarer Weg angesehen werden. Eine darüber hinaus gehende detailliertere
rechnerische Erfassung dieser Vorgänge erscheint aus Sicht des Verfassers auf
Grund geringer Einspareffekte im Gegensatz zu anderen energiebilanzrelevanten
Größen nicht zielführend.
6. Zusammenfassung
Die Auswertung der zitierten Forschungsarbeiten [1-3] unterschiedlicher Autoren zeigt, daß die solare Absorption auf Außenwänden zu durchaus kalkulierbaren Heizwärmeeinsparungen führen kann. Darüber hinaus wird erkennbar, daß die ermittelten Verbesserungsmaße hauptsächlich von der Farbgebung der Außenwandoberfläche und dem Strahlungsangebot abhängig sind. Die Flächenmasse gut gedämmter Außenbauteile und die Anordnung äußerer Dämmschichten spielt eine untergeordnete Rolle für Nutzung solarer Zustrahlung. Bei hoch absorbierenden Oberflächen wie z.B. roten Vormauerziegel- oder Klinkerwänden sind die höchsten Verbesserungsmaße von bis zu 26 % an südorientierten Wänden erreichbar. Die Reduzierung des Heizwärmebedarfs durchschnittlicher Gebäude fällt auf Grund des geringen Anteils der Außenwände an den Gesamtverlusten nur noch vermindert in Gewicht. Etwa 2 bis 8 % Heizwärmeeinsparung sind in der Praxis bei unverschatteten Fassaden möglich. Diesem Umstand wird erstmalig in der europäischen Normung Rechnung getragen, wenn gleich dort die erreichbaren Verbesserungen etwas geringer ausfallen können, da auf der sog. "sicheren Seite" liegend.
7. Literatur
[1] Kupke, C.; Stohrer, M.: Wärmeenergietransport durch Außenwände
unter natürlichen Klimabedingungen. Abschlußbericht Forschungs- und
Entwicklungsgemeinschaft für Bauphysik e.V. an der FH für Technik (FEB),
Stuttgart (1987).
[2] Frank, T.: Energiebilanz von Außenwänden unter realen Randbedingungen.
Untersuchunsbericht Nr. 136 788, Eidgenössische Materialprüfungs- und
Forschungsanstalt (EMPA), Dübendorf, Schweiz (1994).
[3] Lindauer, E; Einfluß der Absorption von Sonnenstrahlung auf die
Transmissionswärmeverluste von Außenwänden aus Ziegelmauerwerk. Bericht
REB 4/1996 des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, Holzkirchen (1996).
[4] Palmiter, L.; Wheeling, T.: SUNCODE - A Program User`s Manual. Ecotope Group (1981).
[5] CEN: Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden - Berechnung des
Heizenergiebedarfs Wohngebäude. Entwurf prEN 832. Brüssel (1994).
[6] Lindauer, E.: Untersuchungen zum Nachweis des solaren Ausnutzungsgrades
an thermisch leichten und schweren Versuchsräumen. Bericht REB 5/1996 des
Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, Holzkirchen (1997).
[7] Werner, H.: Parameterstudie über energetische Einflußgrößen auf den
Heizenergiebedarf von Gebäuden im Hinblick auf die ESVO '99, Rottach-Egern (1997)
unveröffentlicht.
August 1997
Gi-GdJ-AMz