Brandschutz mit Ziegelmauerwerk (AMz-Bericht 2/2002)
Neue allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse ermöglichen die Anwendung von Mauerwerk aus Ziegeln nach DIN 105 über die Regeln der DIN 4102-4 hinaus

Einführung

Mit der Überarbeitung der Musterbauordnung im Jahr 1996 wurden u. a. auch die zu führenden Brandschutznachweise neu geregelt. Bauprodukte können verwendet werden, wenn sie einer technischen Regel entsprechen, die in der Bauregelliste A enthalten ist. Für den Bereich Brandschutz ist dies die DIN 4102-4. Für "nichtgeregelte" Produkte können drei Verwendbarkeitsnachweise erbracht werden:

  1. allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt)
  2. allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (ABP) einer dafür anerkannten Stelle
  3. Zustimmung einer Obersten Bauaufsichtsbehörde im Einzelfall
Die Festlegungen der allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisse sind im Sinne der jeweiligen Landesbauordnung gleichwertig zu den Regeln der DIN 4102-4.

Neue Prüfergebnisse

In Deutschland liegen im europäischen Vergleich sehr viele Ergebnisse von Brandprüfungen an Mauerwerkwänden vor. Die Ergebnisse von Prüfungen bis einschließlich 1993 wurden in die derzeit gültige Fassung der DIN 4102-4, Ausgabe März 1994 aufgenommen.
In der Folgezeit wurde im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel eine Reihe von weiteren Brandprüfungen an Wänden aus Ziegeln nach DIN 105 durchgeführt, die noch nicht in DIN 4102-4 enthalten waren.
Dabei wurden für Brandwände aus HLz B deutlich geringere erforderliche Mindestwanddicken ermittelt und erstmals die Feuerwiderstandsdauer F 90 für unverputztes Mauerwerk aus Ziegeln nach DIN 105-2 nachgewiesen.
Diese gegenüber DIN 4102-4 verbesserten brandschutztechnischen Eigenschaften des geregelten Produkts Ziegel (die DIN 105 ist in der Bauregelliste A enthalten) mussten durch die Übertragung in allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse im Sinne der Landesbauordnungen anwendbar gemacht werden /1/ bis /3/.
Die Tabellen 1 und 2 geben einen Überblick über die erweiterten Anwendungsmöglichkeiten für Ziegelmauerwerk durch diese Prüfzeugnisse.

Die Werte nach /1/ und /2/ gelten für alle Arten der Stoßfugenausbildung, d. h. vermörtelt, verzahnt oder mit Mörteltasche, sowie nach /4/ für Mauerziegel Mz der Formate > 3 DF.

Tabelle 1: Brandwände; Wände aus Mauerwerk nach DIN 1053-1
unter Verwendung von Normalmörtel MG II, IIa, III und IIIa
Material Rohdichte
klasse
Ziegelart Mindest
dicke nach
DIN 4102-4
Rohdichte
klasse
Ziegelart Mindestdicke
nach/1/, /2/
und /4/
Ziegel nach
DIN 105-1
>1,2 Mz, HLz
A und B
300
(240)
>1,2 Mz, HLz
A und B
(175) 1)
Ziegel nach
DIN 105-2
>0,8 HLz A, B, C
und W
365
(300)
>0,9 HLz B (175) 1)
>0,8 HLz B
und W
(240) 2)
1) Normalmörtel MG IIa, III und IIIa (keine Werkfrischmörtel)
2) Normalmörtel MG IIa, III und IIIa, Leichtmörtel LM 36

Tabelle 2: Mindestdicke für die Feuerwiderstandsdauer F 90 (feuerbeständig)
von tragenden, raumabschließenden Wänden aus Ziegeln nach DIN 105, volle
statische Auslastung, Ausnutzungsfaktor
a
2 = 1,0
Material Rohdichte
klasse
Ziegelart Mindest
dicke nach
DIN 4102-4
Rohdichte
klasse
Ziegelart Mindestdicke
nach /3/
Ziegel nach
DIN 105-1
>1,2 Mz, HLz A,
B und C
175
(115)
>1,2 Mz, HLz A,
B und C
175
(115)
Ziegel nach
DIN 105-2
>0,8 HLz A, B
und C
-
(115)
>0,9 HLz B 175
(115)
HLz W -
(240)

Literatur

/1/ Brandwände aus HLzB nach DIN 105-1 und DIN 105-2
Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis Nr. P-3228/5179-MPA BS vom 13.08.2001

/2/ Brandwände aus HLzW nach DIN 105-2
Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis Nr. P-3229/5189-MPA BS vom 14.07.1999

/3/ Tragende raumabschließende Wände aus HLzB nach DIN 105-2
Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis Nr. P-3543/5438 vom 02.06.1998

/4/ Gutachtliche Stellungnahme Nr. 21120-Hn zum Brandverhalten von Mauerziegeln Mz nach DIN 105-1 und Ergänzung zum allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis Nr. P-3228/5179-MPA BS vom 22.02.2002

Bonn, März 2002
Dr. My-GdJ AMz

 

home