Ziegel Massivhäuser in Niedrigenergiebauweise (AMz-Bericht 7/2000)

Zur Vorbereitung auf eine künftige Energieeinsparverordnung sind von der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. in Zusammenarbeit mit einem bedeutenden Wohnungsbauunternehmen, der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten (THS), Essen und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Stuttgart unterschiedliche Einfamilienhauskonzepte mit niedrigem Heizenergiebedarf entwickelt und realisiert worden. Als Projektpartner konnten die Verbände der Putz- und Mörtelindustrie gewonnen werden, die das Vorhaben mit Geld- und Sachmitteln unterstützten.
Der rechnerisch vorherbestimmte Energiebedarf liegt etwa 25 - 30 % unter dem nach der Wärmeschutzverordnung 1995 zulässigen Höchstwert. Die Validierung der Wirksamkeit der zusätzlichen baulichen und anlagentechnischen Investitionen erfolgte über ein Drei-Jahres-Messprogramm aller energetisch relevanten Zustände der Gebäude und der Dokumentation des Bewohnerverhaltens.

Planung und Ablauf
Das thermische und energetische Verhalten dieser im September 1996 bezogenen Häuser ist mit Hilfe eines detaillierten Messprogramms überprüft und dokumentiert worden. Dazu sind durch das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP), Stuttgart umfangreiche Messungen beginnend mit der Heizperiode 1996/1997 bis zum Ende der Heizperiode 1997/1998 im Mai 1998 durchgeführt und nach Vergleich mit den Vorherberechnungen ausgewertet und analysiert worden.
Jedes Wohnhaus ist mit Sensoren bestückt worden, die im wesentlichen die Temperaturen und Wärmemengen sowie die meteorologischen Daten des Standorts erfassten. Darüber hinaus sind die Stromverbräuche sämtlicher Verbraucher aufgezeichnet und die Fensteröffnungszeiten über entsprechende Fensterkontakte ermittelt worden. Da die neun Ziegelwohnhäuser jeweils eine individuelle energetische Konzeption aufweisen, war der Messaufwand erheblich und die Anzahl der Messstellen mit insgesamt 450 entsprechend hoch. Begleitend zu den Langzeitmessungen sind die Luftdichtheit der Gebäudehüllen mittels Blower-Door-Verfahren und die Wärmebrückeneffekte über Infrarot-Thermografie überprüft worden.

Baubeschreibung
Bei den im September 1996 bezogenen Einfamilienhäusern in Bochum-Werne, handelt es sich um zwei Reihenhauskomplexe mit je vier bzw. fünf Wohneinheiten. Die Wohnungen verfügen über rund 125 m² Wohnfläche und sind für kinderreiche Familien im Sozialen Wohnungsbau zu Gesamtkosten von 2600 DM/m² errichtet worden. Bild 1 zeigt einen Lageplan der Bebauung.

Lageplan
Bild 1: Lageplan Bochum-Werne

Die Wohnhäuser sind an kinderreiche Familien vermietet. Somit liegt eine hohe Belegungsdichte vor. Die vermietbare Wohnfläche beträgt 124 bis 128 m² und weicht erheblich von der sich aus dem Rechenverfahren der Wärmeschutzverordnung 1995 ergebenden beheizten Bezugsfläche von 139 bzw. 170 m² ab.
Die Gebäude sind nicht unterkellert. Lediglich unter den zwei nordwestlich orientierten Endhäusern wurde je ein Keller für die Aufnahme der Heizanlagen errichtet, in denen ebenfalls die umfangreichen messtechnischen Anlagen untergebracht sind. Als Kellerersatz wurden im Garten eines jeden Hauses ein hölzerner Unterstellraum geschaffen. Das Dachgeschoss ist bis zum Kehlgebälk ausgebaut, im wärmegedämmten Spitzboden verlaufen die Versorgungsleitungen für Heizung, Wasser und Elektro. Bild 2 zeigt einen Schnitt und einen Erdgeschossgrundriss eines der Reihenmittelhäuser.


Bild 2: Schnitt und Grundriss Reihenmittelhaus.

LM 21 in den Lagerfugen vermörtelt. Die Rechenwerte der Wärmeleitfähigkeit aller im Außenwandbereich eingesetzten Ziegel liegt bei l = 0,16 W/(m K), einem für die Zeit der Errichtung der Gebäude marktdominierenden Wert. Die Haustrennwände sind ebenfalls aus wärmedämmenden Hochlochziegeln zweischalig mit je 17,5 cm Dicke und einer dazwischen liegenden Dämmschicht von 5 cm ausgeführt. Die k-Werte der Außenwände liegen zwischen 0,47 und 0,28 W/(m²K) (siehe Tabelle 1). Eine Reduzierung der Wärmebrückeneffekte zum Erdreich ist bei nicht unterkellerten Gebäuden von wesentlicher Bedeutung. Sämtliche Streifenfundamente der Häuser sind daher aus wärmedämmenden Ziegelmauerwerk erstellt. Hierdurch lassen sich die Wärmever-luste erheblich verringern, da die aussen umlaufenden Fundamente wie eine Perimeterdämmung für die Bodenplatte wirken. Zur Erhöhung der Wärmedämmung einiger Aussenwände wurden Dämmputze in den verschiedenen Stärken 5 cm und 8 cm eingesetzt. Ebenfalls mit Dämmputz versehen sind die äußeren Fensterlaibungen zur Reduzierung der Wärmeverluste am Fensteranschluss. Die mit EPS-Zuschlag ausgestatteten Putze weisen eine Wärmeleitfähigkeit von 0,07 W/(mK) auf und werden als Werktrockenmörtel ausgeliefert. Insbesondere im Bereich der vorspringenden Haustrennwände der Endhäuser (s. Bild 3) aus 17,5 cm Hochlochziegel-Mauerwerk konnte somit ein hoher Wärmeschutz mit einfachen Mitteln sichergestellt werden.

Tabelle 1: Zusammenstellung der Bauteilkennwerte, der Anlagentechnik und weiterer Kennwerte.
Element Haus 1 Haus 2 Haus 3 Haus 4 Haus 5 Haus 6 Haus 7 Haus 8 Haus 9
Außenwand 30 cm HLz
5 cm Dämmputz
30 cm HLz 30 cm HLz
5 cm Dämmputz
36,5 cm HLz
5 cm
Dämm-
putz
17,5 HLz
8 cm Kern-
dämmung
11,5 HLz
36,5 cm HLz 30 cm HLz
8 cm
Dämm-
putz
Fenster Fassade : Zweischeiben Wärmeschutzglas in Kunststoffrahmen kF = 1,4 W/(m²K)
Dachfläche : Zweischeiben Wärmeschutzglas in Holzrahmen k
F = 1,5 W/(m²K)
Dach 24 cm Dämmung 22 cm
Dämmung
24 cm
Dämmung
22 cm Dämmung
Bodenplatte 6 cm
Dämmung
12 cm
Dämmung
18 cm
Dämmung
12 cm
Dämmung
18 cm
Dämmung
12/18 cm
Dämmung
12 cm
Dämmung
18 cm
Dämmung
Heizung Gas - Brennwertkessel mit Warmwasser - Radiatoren
Warmwasser zentraler Warmwasserspeicher mit Zirkulation Speicher
mit Abluft-
wärmepum-
pe
zentraler Warmwasserspeicher
mit Zirkulation
Solarspeicher
+ 3 m² Röh-
renkollekto-
ren
Lüftung mechan.
LWRG
Fensterlüftung Abluftanlage Fensterlüftung
Hüllflächen-
faktor [m
-1]
0,61 0,57 0,57 0,57 0,61 0,61 0,57 0,57 0,61
beheizte
Fläche [m²]
170 139 139 139 170 170 139 139 170
Luftdichtheit
n
50 [h-1]
1,3 1,2 1,0 0,8 0,9 1,1 1,2 0,9 0,9
Heizwärme-
bedarf
[kWh/a]
9923 7864 7977 7864 10034 10063 7673 7845 10137

Die kV-Werte der eingesetzten Wärmeschutzverglasungen betragen 1,20 W/(m²K) in der Fassade und 1,30 W/(m²K) bei den Dach-flächenfenstern. Eingebaut in Fensterrahmen aus Kunststoff in der Fassade und Holz im Dach ergeben sich die in Tabelle 1 wiedergegebenen kF - Werte.
Die konventionellen Dächer sind mit 18 cm Vollsparrendämmung aus Mineralwolle der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035 und 4 bzw. 6 cm Untersparrendämmung ausgeführt, deren k-Werte betragen 0,16 und 0,17 W/(m²K). Die Eindeckung besteht aus einem engobierten Flachdachziegel-Komplettsystem mit einer unterseitigen Lüftungsebene über der diffusionsoffenen Unterspannbahn. Bei dem Aufbau der Bodenplatten sind ebenfalls unterschiedliche Ausführungen realisiert. Neben der standardmäßig unter dem Zementestrich liegenden 6 cm starken Dämmschicht sind bis zu 12 cm extrudierte Polystyrolplatten unterhalb der Bodenplatte eingelegt. Die k-Werte schwanken zwischen 0,18 und 0,49 W/(m²K). Die Beheizung der Gebäude erfolgt über eine konventionelle Warmwasserradiatorenheizung mit einem Gasbrennwertkessel in jeder Hauszeile. Daran angekoppelt ist die zentrale Brauchwassererwärmung, die in den Häusern 5 und 9 durch eine Abluftwärmepumpe bzw. eine thermische Solaranlage unterstützt wird. Um den rechnerisch maximalen Heizwärmemebedarf auch in den schwieriger zu dimensionierenden Endhäusern nicht zu überschreiten, sind diese z.T. mit mechanischen Lüftungsanlagen ausgestattet worden. Die ermittelten Heizwärmebedarfswerte der ausgeführten Wohnhäuser ergeben nach dem Rechenverfahren der WSVO 1995 [1] Werte zwischen 7600 und 10100 kWh/a, dies entspricht einem grundflächenbezogenen Heizwärmebedarf zwischen 55,1 und 59,6 kWh/(m²a). Die Endhäuser weisen etwa 5 Prozent höhere Werte auf, als die Reihenmittelhäuser. Detaillierte Gebäudebeschreibungen und die vorherberechneten Energiebilanzen sind dem IBP-Bericht WB 95/1997 [2] zu entnehmen.

Südansicht
Bild 3: Süd-Ost Ansicht der Häuserzeile 1-5.

Messergebnisse
Die hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle verhindert unkontrollierte Infiltrationswärmeverluste, die im Wesentlichen aus Winddruckunterschieden resultieren. Dies gilt sowohl für fenstergelüftete als auch insbesondere für die mit mechanischen Lüftungsanlagen ausgestattete Gebäude. Hier wirken sich bei Anlagen mit Wärmerückgewinnung Luftundichtheiten in der Gebäudehülle durch zusätzliche, nicht über die vorhandenen Wärmetauscher zu führende Luftvolumenströme mit ihren Wärmeverlusten negativ auf die Energiebilanz aus. Die Niedrigenergiehäuser sind daher besonders luftdicht ausgeführt. Dies wurde zum einen durch den beidseitigen Nassverputz der Außenwände erreicht, zum andern durch die sorgfältige Planung und Ausführung der Bauteilanschlüsse an den Fenstern und zum Dach. Schwierigkeiten ergeben sich in der Kehlgebälkebene des konventionellen Holzdachstuhls. Der darüber liegende unbeheizte Spitzbodenbereich mit seinen Versorgungsleitungen für Wasser, Heizung und Strom ist in den Dachschrägen genau so gedämmt wie im Wohnbereich. Er ist über eine dichtschliessende Revisionsklappe getrennt, die Messwerte der Luftdichtheit (n
50) für den beheizten Bereich liegen zwischen 0,8 und 1,3 h-1. Die folgende Tabelle 2 gibt eine Übersicht der mit dem Blower Door Verfahren bei 50 Pa Differenzdruck ermittelten Luftwechselzahlen.

Tabelle 2: Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle der neun Niedrigenergiehäuser bezogen auf das Innenraumvolumen des Wohnbereichs bei einer Druckdifferenz von 50 Pa.
  Luftdurchlässigkeit im Wohnbereich der Häuser 1 - 9
Haus 1 2 3 4 5 6 7 8 9
n50 [h-1] 1,3 1,2 1,0 0,8 0,9 1,1 1,2 0,9 0,9

Die Heizwärmeverbräuche lagen im Mittel in der ersten Heizperiode 1996/1997, die hinsichtlich der Klimadaten dem Referenzstandort Deutschland als Grundlage für die Vorherberechnung sehr nahe kommt, bei den prognostizierten Werten. Für die Endhäuser wurde ein durchschnittlicher Heizwärmeverbrauch von 55 kWh/(m²a) mit einer Schwankungsbreite zwischen 46,2 und 73,1 kWh/(m²a) ermittelt. Die zweite Heizperiode 1997/1998 mit wesentlich günstigerem, d.h. wärmerem Klima, erbrachte einen Mittelwert von 35,5 kWh/(m²a) mit einer sehr viel kleineren Streuung zwischen 29,2 und 38,7 kWh/(m²a). Die Mittelhäuser bewegten sich in der ersten Heizperiode zwischen 34,4 und 70,3 kWh/(m²a) bei einem Mittelwert von 58,3 kWh/(m²a), wobei hier zu beachten ist, dass sowohl der "sparsame" als auch der "verschwenderische" Nutzer diesen Haustyp bewohnt. In der 2. Heizperiode sanken die Werte zwischen 14,5 und 57,8 kWh/(m²a), der Mittelwert lag bei 40,5 kWh/(m²a). Aus den hier dargestellten Zahlen darf aus den zuvor genannten Gründen nicht geschlossen werden, dass die Endhäuser einen niedrigeren Verbauch aufweisen als die Mittelhäuser! Eine umfangreiche Darstellung der Energiebilanzen jedes Gebäudes enthält der IBP Bericht [3].

Die gemessenen Heizenergieverbräuche ergeben sich aus den von den Heizkörpern abgegebenen Heizwärmeverbräuchen zuzüglich der Wärme- und Umwandlungsverluste der installierten Heizanlage. Wie schon zuvor erläutert, werden die zwei Gebäudezeilen, Häuser 1 bis 5 und 6 bis 9, mit je einer zentralen erdgasbefeuerten Warmwasserzentralheizung versorgt. Da die Brauchwassererwärmung ebenfalls über diese Anlagen erfolgt, werden die kombinierten Kesselnutzungsgrade über die Heizperiode 1997/1998 für das System 1 bis 5 mit 91,6 % und für das System 6-9 mit 100,5 % ermittelt. Die Wirkungsgrade der Brennwertkessel erreichen in beiden Fällen nicht die gewünschten Größenordnungen. Obwohl im System 1 eine geringfügige Überdimensionierung der Heizlast, die sich nach Herstellerangaben eher günstig auswirken soll vorliegt, schneidet dieses System schlechter ab als das System 2. Dennoch liegen die gemessenen Gesamtenergieverbräuche von 72,7 kWh/(m²a) in der ersten und 77,0 kWh/(m²a) in der zweiten Häuserzeile deutlich unter den nach der zu erwartenden Energieeinsparverordnung zulässigen Werten von 95 bzw. 98 kWh/(m²a).

Drei Endhäuser sind mit mechanischen Lüftungsanlagen ausgestattet, die auf eine nur geringe Nutzerakzeptanz stoßen. Trotz aufwändiger Installation und Integration der Lüftungstechnik in das Gebäude gab es Klagen zur Geräuschentwicklung, zum Wartungsbedarf und vereinzelt zu Zugbelästigungen. Die Laufzeiten der Anlage mit Wärmerückgewinnung in Haus 1 waren sehr kurz. Dies ist auf die hier richtigerweise erstmalig ausgeführte Kopplung mit den Fensterkontakten der Wohnräume zurückzuführen, die die Anlage beim Öffnen der Fenster abschaltet, um zusätzliche Lüftungswärmeverluste zu vermeiden. In der Heizperiode 1997/1998 ließen sich etwa 2000 kWh Heizwärme einsparen. Dieser Reduktion stand ein elektrischer Energieverbrauch von 180 KWh für Ventilatoren und Regelung gegenüber. Der Nutzungsgrad der Anlage ist damit als sehr gut zu bezeichnen, wenngleich unbedingt darauf hingewiesen werden muss, dass die gesamte Luftwechselzahl durch das kombinierte Fenster- und Anlagenlüften mit 1,57 h-1 extrem hoch ausfiel. In der ersten Heizperiode 1996/1997 lag dieser Wert um etwa 60 Prozent niedriger, die Anlage ist kaum in Betrieb gegangen und die Wärmeverluste sind daher auch entsprechend geringer. Insgesamt gesehen hat der Einsatz dieser Technik in dem untersuchten Haus eindeutig zu Mehrverbräuchen geführt! Dieses Phänomen ist in der Vergangenheit schon in mehreren Niedrigenergiehäusern beobachtet worden und konnte immer noch nicht abgestellt werden [4], [5].

Die in den Häusern 5 und 6 eingesetzten Abluftanlagen verhielten sich ähnlich der zuvor beschriebenen Zu- und Abluftanlage. Auch hier waren die Gesamtluftwechsel aus Anlage und Fensterlüftung unerfreulich hoch, so dass eine wirksame Reduzierung des Heizwärmeverbrauchs nicht nachgewiesen werden konnte.


Wohnqualität und Mieterverhalten
Die Niedrigenergiehäuser sind von den Mietern mit großer Zufriedenheit aufgenommen worden. Abweichungen im Heizwärmeverbrauch zwischen sparsamen und hochverbrauchendem Nutzer liegen bei einem Faktor zwei (Tabelle 3). Erklären lassen sich die voneinander abweichenden Energieverbräuche aus den unterschiedlich hohen Raumtemperaturen der einzelnen Wohnungen und das differierende Lüftungsverhalten der Bewohner. Da z. B. die Lüftungswärmeverluste mindestens genauso hoch, teilweise auch doppelt so hoch wie die Transmissionswärmeverluste sind, beeinflussen diese die Heizenergiebilanz erheblich. Die ermittelten extrem hohen Tagesmittelwerte der Luftwechselzahlen ergeben sich aus der hohen Belegungsdichte der Wohnungen mit bis zu 9 Personen auf 128 m² Wohnfläche und den damit einhergehenden langen Fensteröffnungszeiten. Auch die Warmwasserverbräuche schwanken je nach Belegung der Wohnungen und Anwesenheitsgrad der Personen in großen Bereichen und werden in diesem Niedrigenergiehausprojekt mitbewertet.

Tabelle 3: Unterschiedliches Nutzerverhalten während der Heizperiode:
  Sparsam Mittel Hoch
mittlere Raumlufttemperatur [C] 18,9 20,3 22,1
mittlerer Luftwechsel [h-1] 0,83 1,3 1,65
Heizwärmeverbrauch 96/97 [kWh/m²a] 34,4 56,8 73,1
Warmwasserverbrauch [kWh/m²a] 10,0 17,8 46,4

Das sommerliche Temperaturverhalten der Ziegelhäuser kann als vorbildlich bezeichnet werden. In einer heißen Sommerperiode im August 1997 sind die mittleren Raumlufttemperaturen der Gebäude (farbig) den Außenlufttemperaturen (Bild 4, schwarze Kurve) gegenübergestellt worden. Selbst an den besonders heißen Tagen mit Außenlufttemperaturen von bis zu etwa 33 C liegen die maximalen Innentemperaturen etwa 5 K unter diesen. Ein Aufschaukeln der Innentemperaturen ist zwar erkennbar, allerdings zeigen alle Häuser eine ähnliche Tendenz erträglicher Raumtemperaturen trotz unterschiedlichen Nutzerverhaltens, wie zuvor erwähnt.

Bild 4: Tagesgang der Aussenlufttemperatur (schwarz) und der mittlerenen
Gebäudetemperaturen der 9 Niedrigenergiehäuser (farbig) im August 1997 nach [3].

Wirtschaftlichkeit der Einsparmaßnahmen
Die Wirtschaftlichkeit der über den Dämmstandard der WSVo 1995 hinausgehenden Reduktionsmaßnahmen kann über die Investitions- und Betriebskosten abgeschätzt werden. Im Mittel aller Häuser ließen sich die Heizenergiekosten um etwa 200 DM/a für jedes Haus reduzieren. Dagegen standen aber bei den Gebäuden mit mechanischen Lüftungsanlagen zusätzliche Stromkosten, die zu einer im Mittel realen Gesamtbetriebskosteneinsparung von 140 DM/a führten. Bei Verzicht auf die betriebskostenintensive Anlagentechnik hätten rund 250 DM/a an Heizenergiekosten eingespart werden können. Den verminderten Betriebskosten stehen Mehrinvestitionen gegenüber, die in Abhängigkeit des gewählten Energiekonzeptes unterschiedlich hoch ausfallen. Zum besseren Verständnis der Reduktionspotenziale einzelner bautechnischer und anlagentechnischer Maßnahmen dient die Darstellung der Bruttoenergiebilanz eines Systems. Dazu sind die zwei Gebäudezeilen, da sie über je eine gemeinsame Wärmeerzeugung verfügen, zusammengefasst worden.Die Energiebilanz zeigt die Wertigkeit der Verlustanteile (Output) und der Gewinne (Input), wobei die relativen Anteile für beide Hauszeilen sehr ähnlich sind. Es fällt auf, dass auf der Verlustseite die Lüftungswärmeverluste, die Transmissionswärmeverluste, die Anlagen-und Stromverluste etwa gleich groß sind. Auf der Gewinn- oder Inputseite stehen dem Brennstoffeinsatz die Solargewinne und die internen Gewinne inclusive dem Stromeinsatz zu etwa gleichen Anteilen gegenüber. Beim Stromverbrauch ist zu beachten, dass hier keine primärenergetische Bewertung erfolgt, die das Bild daher ein wenig verzerrt. Es liegt nun beim Planer, die Bilanzanteile mit dem höchsten Einsparpotenzial durch geeignete Maßnahmen auf der Verlustseite zu reduzieren oder auf der Gewinnseite möglichst zu erhöhen.

Bild 5: Bild 5: Gesamtenergiebilanz der Hausreihe 1 - 5 inklusive der Stromverbräuche.

Konsequenzen für die Praxis
Ein Niedrigenergiehaus macht eine integrale Planung, eine aufeinander abgestimmte Bauausführung und ein hierzu passendes Baustoffangebot erforderlich. Ziegel-Niedrigenergiehäuser lassen sich unter verschiedenen Gesichtspunkten sowohl in monolithischer als auch in zusatzgedämmter Bauweise umsetzen. Mit den heute verfügbaren modernen Hochlochziegeln niedriger Wärmeleitfähigkeiten von 0,12, 0,13 und 0,14 W/(mK) stehen alle Wege offen, von den bislang so bewährten Ziegeleigenschaften auch in hochwärmegedämmten Gebäuden weiterhin zu profitieren. Eine einfache und komplikationslos zu bedienende Haustechnik kommt dem Nutzer entgegen und bedingt niedrige Betriebs und Wartungskosten. Lüftungsanlagen sind kein Garant zu niedrigen Energieverbräuchen, der Bauherr sollte vor allem deren Wirtschaftlichkeit und seine eigene Akzeptanz ihnen gegenüber prüfen.
Das Niedrigenergiehausziel ist neben der intelligenten Bauweise nur mit einem disziplinierten Nutzerverhalten erreichbar. Die Vorherberechnung des Energiebedarfs über eine Bruttobilanzierung und ein Vergleich mit dem tatsächlichen, durch die reale Nutzung bedingten Energieverbrauch ist wesentlich genauer als bislang, da die Anlagentechnik mit berücksichtigt wird. Ziegel-Niedrigenergiehäuser weisen neben niedrigen Energieverbräuchen ein sehr günstiges sommerliches Temperaturverhalten auf und erhöhen dadurch erheblich die Nutzerakzeptanz. Das Projektziel zur Messung der Energieflüsse und zum thermischen Verhalten von Niedrigenergiehäusern aus Ziegeln ist erreicht. Dazu können neben einer bewährten, einfach zu erstellenden und langlebigen Gebäudehülle auch eine möglichst einfache und bedienungsfreundliche Anlagentechnik zur Ausführung gelangen.

Literatur

[1] Bundesgesetzblatt: Verordnung über einen energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden (Wärmeschutzverordnung), Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 55, vom 24. August 1994, Bonn.
[2] Erhorn, H., Kluttig, H.: Niedrigenergiehäuser in Ziegelbauweise - Hauskonzepte und erste Messergebnisse. Bericht WB 95/1997 des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, Stuttgart (1997).
[3] Kluttig, H., Erhorn, H.: Niedrigenergiehäuser in Ziegelbauweise - Abschlussbericht. Bericht WB 100/1998 des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, Stuttgart (1998).
[4] Erhorn, H., Gierga, M., Reiß, J., Volle, U.: Niedrig-Energie-Häuser. Broschüre des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, Stuttgart (1994).
[5] Gierga, M., Hoffmann, W.: Niedrig-Energie-Haus, Niedrigenergiehäuser aus Ziegeln. Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V., Bonn (1998).

Das diesem Bericht zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministers für Forschung und Technologie unter dem Förderkennzeichen 0329583C gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.

Bonn, 29. Februar 2000,
Gi-GdJ AMz

 

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