Rißsicherheit von Außenputz auf Wärmedämmziegelmauerwerk bei extremer Temperaturwechsel-Beanspruchung (Schlagregen-Simulation)
(AMz-Bericht 2/1997)Einleitung
Verputztes einschaliges Ziegelmauerwerk ist eine seit vielen Jahren bewährte
Konstruktion. Die große Ausführungssicherheit der Konstruktion garantiert
eine sehr geringe Schadensanfälligkeit.
Dennoch werden gelegentlich auftretende Putzrisse von einigen Sachverständigen
gerne ohne weitere Untersuchung dem Putzgrund Ziegel angelastet.
Dabei gilt im Gegenteil:
Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel und des Ziegelforums wurden an der FMPA Baden-Württemberg in Stuttgart Untersuchungen zur Rißsicherheit von verputztem Ziegelmauerwerk bei extremer Temperaturwechsel- Beanspruchung durchgeführt /1/.
Die Ergebnisse belegen:
Anlaß der Untersuchungen
In der Praxis treten vereinzelt Rißschäden an verputzten Westfassaden auf.
Solche Risse werden von einzelnen Gutachtern der Temperatur- und Feuchtedehnung
des "ungeeigneten" Putzgrundes Ziegelmauerwerk zugewiesen. Diese Feststellung
ist jedoch nicht richtig, da Mauerwerk aus Wärmedämmziegeln auch nach der
Neuausgabe der DIN 1053-1, 11.96, die niedrigsten Rechenwerte der Feuchte- und
Temperaturdehnung aller Mauerwerkbaustoffe aufweist.
Ziel der Versuche an der FMPA Baden-Württemberg /1/ war daher die Untersuchung
der Rißsicherheit von verputztem Ziegelmauerwerk bei extremen
Temperaturbeanspruchungen, wie sie z. B. bei sommerlichen
Gewitterschlagregen an Westfassaden auftreten können.
Bei dieser Beanspruchung wird die stark aufgeheizte Außenwand
schlagartig abgekühlt. Durch die dabei entstehende Verkürzung können Risse
im Putz entstehen.
Besonders ungünstig sind die Verhältnisse dann, wenn die Außenwand
sich möglichst unbehindert verformen kann, wie dies bei unbelasteten
Vormauerschalen der Fall ist.
Prüfkörperaufbau
Um diesen ungünstigsten Fall zu untersuchen, wurde an der FMPA eine
zweischalige, 4 m lange geschoßhohe Wandkonstruktion aus Hochlochziegeln
HLz B-8-0,8 DIN 105-2 aufgemauert.
Die Vormauerschale dieser Wandkonstruktion wurde in drei wandhohen Streifen
von je 1m Breite mit drei handelsüblichen Unterputzen verputzt.
Verwendete Putze
Folgende Putze kamen zur Anwendung:
Putzmörteleigenschaften
Alle Putzmörteleigenschaften entsprachen voll den wichtigsten Anforderungen zur Erstellung dauerhafter Außenputze auf wärmedämmendem Ziegelmauerwerk, d. h.
Versuchsdurchführung
Der Prüfkörper wurde insgesamt 75 simulierten Schlagregen-Ereignissen ausgesetzt.
Dazu wurde die Putzoberfläche der Außenwand durch intensive Bestrahlung in 5
Stunden auf ca. 60°C erhitzt und unmittelbar anschließend durch 3stündige
Beregnung auf ca. 10°C abgekühlt. Diese Temperaturverhältnisse treten auch
bei sommerlichen Schlagregen-Ereignissen auf.
Während der Versuche wurden die Verformungen der Wandscheibe und die
Temperaturen im Prüfkörper aufgezeichnet.
Zusammenfassung der Versuchsergebnisse
Die extremen Temperaturwechsel bei sommerlichen Gewitterregen erzeugen
auf Außenwänden Verformungen, die die Bruchdehnung üblicher Putze
überschreiten können.
Ziegelmauerwerk ist aufgrund seines sehr niedrigen
Wärmedehnungskoeffizienten = 6 x 10
Bewertung
Die Untersuchungen in /1/ haben erneut gezeigt, daß auf ordnungsgemäß
ausgeführtem und verputztem Ziegelmauerwerk selbst bei extremen
Temperaturbeanspruchungen keine schädlichen Putzrisse auftreten.
Besonders günstig ist die Verwendung von Leichtputzen nach DIN 18 550-4
auf Wärmedämmziegelmauerwerk.
Literatur
/1/ Knödler, F.; Zeus, K.: FMPA Baden-Württemberg: Zum Widerstand
geputzter Vormauerschalen gegenüber Rißbildung. Untersuchungsbericht
Nr. 13-16846/Kn/Re. Stuttgart, 1995
/2/ Schubert, P.: Putzrisse durch Leichtmauerwerk? In: Deutsches Architektenblatt
(DAB) Nr. 5/1996; Forum Verlag Stuttgart
/3/ Schubert, P.: Putz auf Leichtmauerwerk, Eigenschaften von Putzmörteln.
Berlin: Ernst & Sohn. - In Mauerwerk-Kalender 18 (1993), S. 657 - 666
April 1997
Dr.My-GdJ-AMz