ARBEITSZEITWERTE FÜR ZIEGELMAUERWERK (AMz-Bericht 8/1998)
RATIONALISIERUNG DURCH MAUERKRÄNE UND MAUERMASCHINEN?

Ziegelmauerwerk wird überwiegend konventionell von Hand vermauert, da auch großformatige Steine noch problemlos von Hand zu versetzen sind. Im Mauerwerkbau werden bei schwereren Steinen großformatige, nicht mehr von Hand versetzbare Elemente eingesetzt. Diese Elemente werden mit Mauerkränen oder Mauermaschinen versetzt. Diese Geräte können prinzipiell auch für das Versetzen von größeren Ziegelelementen eingesetzt werden.

Die Firma Bilfinger + Berger hat im Auftrag des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau in Zusammenarbeit mit dem ISW der Uni Stuttgart eine Studie zu Rationalisierungsmöglichkeiten durch den Einsatz von großformatigen Steinen und Geräten durchgeführt /1/. Dabei wurden u. a. mit verschiedenen Mauerkränen und Mauermaschinen Arbeitszeitwerte für Mauerwerk aus großformatigen Elementen ermittelt.

Die Studie zeigt, daß beim Einsatz von großformatigen Elementen und Versetzgeräten die Flächenleistungen je Zeiteinheit mit den Werten für von Hand erstelltes Ziegelmauerwerk vergleichbar sind.

Der erhöhte Planungsaufwand und die Anfertigung von Schnittsteinen im Werk ist dabei noch nicht berücksichtigt. Bei komplizierten Wandaufbauten mit vielen Schnittsteinen und/ oder unerfahrenen bzw. unmotivierten Maurern waren die Ergebnisse mit Gerätehilfen z. T. deutlich schlechter.

Zeitstudien mit Mauerkränen

Untersucht wurden Baustellen in Reihen- und Mehrfamilienhäusern, die mit KS-Planelementen (Format 1000 x 498 x Wanddicke) erstellt wurden, s. Tab. 1.

Zeitstudien mit Mauermaschinen

Untersucht wurden Einfamilien-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser, die mit KS-Planelementen, KS-Quadro-Elementen und Porenbetonelementen erstellt wurden, s. Tab. 2.

Mauerstein-
Sorte
Format Zeitwert
m²/h
Anmerkung
KS-PE 1000 x 498 x 115/300 0,81 Reihenhaus-Dachgeschoß, viele Schnittsteine, unerfahrene Maurer
KS-PE 1000 x 498 x 175 1,7 Reihenhaustrennwände, volles Mauerwerk, unter 20% Schnittsteine, techn. Probleme beim Mauerkran
KS-PE 1000 x 498 x 175 2,9 Reihenhaustrennwände, volles Mauerwerk, unter 20% Schnittsteine
KS-PE 1000 x 498 x 175 2,9  
KS-PE 1000 x 498 x 175 3,2
KS-PE 1000 x 498 x 115/175 2,44 Reihenhaus, Trennwände und Innenwände 20 bis 40% Schnittsteine
KS-PE 1000 x 498 x 115/175 1,12 Wohnanlage, unerfahrene Arbeiter mit Sprachproblemen, gegliederte Wände
KS-PE 1000 x 498 x 175/240 4,2 Reihenhaus-Dachgeschoß, 26% Schnittsteine

Tabelle 2: Ergebnisse von Zeitstudien mit Mauermaschinen /1/

Mauerstein-
Sorte
Format Zeitwert
m²/h
Anmerkung
KS-PE 1000 x 498 x 175 2,37 Mehrfamilienhaus, erfahrenes Personal, gegliedertes Mauerwerk, 75% Schnittsteine
KS-quadro 500 x 498 x 175 1,55 Einfamilienhaus, erfahrenes Personal, zur Vermeidung von Schnittsteinen wird z. T. von Hand gemauert
KS-quadro 500 x 498 x 240 1,22 Reihenhaus-Innenwände, einfaches Mauerwerk, ungünstige Witterung
Porenbeton-Modul-Block 500 x 600 x 175/300 2,9 Reihenhäuser, einfaches Mauerwerk, erfahrenes motiviertes Personal

Vergleich mit aktuellen Arbeitszeitwerten für konventionell erstelltes Mauerwerk aus Planhochlochziegeln mit Dünnbettmörtel

Im Auftrag der Arge Mauerziegel wurden durch das Institut für Zeitwirtschaft und Betriebsberatung Bau (izb), Neu-Isenburg, in den Jahren 1994 bis 1998 Zeitstudien für Ziegelmauerwerk durchgeführt, z. B. /2,3/. Zum Vergleich mit den Werten der Tabellen 1 und 2 (Planelemente) werden Ergebnisse mit Mauerwerk aus Planhochlochziegeln herangezogen.

Die Werte für konventionell erstelltes Ziegelmauerwerk wurden bei den Untersuchungen mit Gerätehilfen in /1/ für die Wanddicken 175 bzw. 240 mm lediglich in einem Fall erreicht, in allen anderen Fällen z. T. deutlich unterschritten.

Tabelle 3: Ergebnisse von Zeitstudien für Planziegelmauerwerk /2,3/

Mauerwerk-
Typ 
gegliedert
voll
gegliedert
gegliedert
Quelle
typ 
/2/
/3/
/2/
/3/
Wanddicke
mm
175
240
300
300
Zeitwert1)
h/m³
1,39
0,78
1,34
1,36
Zeitwert
m²/h
4,1
5,3
2,5
2,5
1) alle Werte ohne Berücksichtigung tariflicher Zuschläge zum direkten Vergleich mit den Tabellen 1 und 2.

Selbst bei 300 mm Wanddicke liegen die Zeitwerte des konventionell vermauerten Ziegelmauerwerks im Bereich der Werte, die unter normalen Randbedingungen mit Gerätehilfe erreicht werden können.

Schlußfolgerungen

Der Einsatz größerer Elemente (Mindestmaße 500 x 500 x Wanddicke) bringt nach den vorliegenden, statistisch allerdings nicht ausreichend abgesicherten, Zeitaufnahmen in der Praxis keine nennenswerte Rationalisierung des Bauablaufs im Vergleich zu konventionell von Hand gemauertem Ziegelmauerwerk, wenn nicht zusätzliche Effekte genutzt werden können.

Die Ergebnisse der Untersuchungen mit Mauermaschinen werden weitgehend unabhängig von der verwendeten Steinart sein.

Nennenswerte Rationalisierungseffekte auf der Baustelle sind erst bei Elementgrößen deutlich über 1m² zu erwarten und können nach derzeitigem Erkenntnisstand vor allem durch den Einsatz ganzer vorgefertigter Wandelemente erzielt werden.

Literatur

/1/ Rationalisierungsmöglichkeiten und Logistikkonzepte im Mauerwerkbau durch Einsatz von mechanisierten oder automatisierten Mauerwerkmaschinen, Abschlußbericht, im Auftrag des BMBau, Mannheim, 09/98

/2/ Bericht Nr. 10/1996 des izb Neu-Isenburg

/3/ Ermittlung von ARH-Werten auf der Grundlage der zur Zeit vorliegenden Messungen für Planziegel, izb Neu-Isenburg, 01/96

Dr.My-GdJ AMz 10/98

 

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