Verfahren zum Sommerlichen  Wärmeschutz (SWs):

Verfahren
Das sommerliche Temperaturverhalten ist von großer Bedeutung für die Behaglichkeit innerhalb von Niedrigenergiehäusern. Die sich maximal einstellenden Raumlufttemperaturen hängen von der Klimaregion, von der Bauweise des Gebäudes sowie von dessen Nutzung ab. Die Beeinflussung der Raumlufttemperatur ist durch die Benutzung des Sonnenschutzes und die Belüftung über Fenster und Lüftungsanlagen möglich. Nach DIN 41082 sollen im Nachweisverfahren sog. Sonneneintragskennwerte für kritische Raumsituationen, die der Sonneneinstrahlung besonders ausgesetzt sind nicht überschritten werden. Dies gilt sowohl für einzelne Räume als auch für zusammenhängende Raumgruppen.

Dazu ist ein raumweiser Nachweis zu führen. Der EnEV-Nachweis selbst erlaubt nicht, die kritischen Räume in einem Gebäude zu identifizieren. Da im EnEV-Nachweis nur die gesamte Hüllfläche und die Fassadenanteile ohne Bezug auf einzelne Räume eingegeben werden, muss unter dem Menüpunkt Gebäude - Sommerlicher Wärmeschutz die Eingabe der in Betracht kommenden Räume Stück für Stück durch den Anwender vorgenommen werden. Auf einen raumweisen Nachweis bei Ein- und Zweifamilienhäusern kann verzichtet werden, wenn Ost-, Süd- und Westfenster mit Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor FC 0,3 (z.B. Rollläden) ausgestattet sind. Dies wird vom Programm automatisch erkannt.

Durch Einhaltung des Sonneneintragskennwertes Smax soll unter Standardbedingungen gewährleistet sein, dass eine bestimmte Grenz-Raumtemperatur an nicht mehr als 10% der Aufenthaltszeit überschritten wird. Diese Grenz-Temperatur ist abhängig vom Klimastandort und damit von der durchschnittlichen Monatstemperatur des heißesten Monats im Jahr und wird in Deutschland nach drei Regionen unterschieden:

Sommer-
Klimaregion

Geografie

Merkmal
qe,M,max

Grenz-Raum-
temperatur

A Mittelgebirgslagen, Bayerischer Wald, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Küstengebiete sommerkühl 16,5 C 25 C

B

Übriges Deutschland, außer A und C

gemäßigt 16,5 18 C

26 C

C Bodensee, Oberrhein, Saarland, Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Oderbruch, Sachsen, Brandenburg sommerheiß ³ 18 C 27 C

Eine exakte Darstellung der geografischen Zonen zeigt die folgende Karte:

Bei Wohn- und wohnähnlich genutzten Gebäuden kann auf den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes verzichtet werden, wenn raum- oder raumgruppenweise die in der folgenden Tabelle zusammen gestellten, auf die Nettogrundfläche bezogenen Fensterflächenanteile fAG nicht überschritten werden. Dabei ist zu beachten, dass bei der Ermittlung der Fensterflächenanteile z.B. Dachflächenfenster und die dazugehörige Dachfläche berücksichtigt werden müssen.  

Sind beim betrachteten Raum mehrere Orientierungen mit Fenster vorhanden, ist der kleinere Grenzwert für fAG bestimmend.

Neigung der Fenster
gegenüber der Horizontalen
Orientierung der Fenster
und der Fassade

Fensterflächen-
anteil f
AG [%]

60 - 90 Nord-Ost über Süd bis Nord-West 10
Alle Nordorientierungen 15
0 - 60 Alle Orientierungen 7

Der Sonneneintragskennwert S eines Raumes definiert die über die Fenster auf die Raumgrundfläche AG einfallende relative Einstrahlung und ermittelt sich wie folgt:

S = Sj (Aw,j gj FC,j) / AG

mit:
A
w  = gesamte Fensterfläche in m² (ermittelt nach Rohbaumaßen)
g   = Gesamtenergiedurchlassgrad der Verglasung
FC = Abminderungsfaktor für Sonnenschutzvorrichtungen

Abminderungsfaktoren fest installierter Sonnenschutzvorrichtungen

Die nachfolgende Tabelle enthält Anhaltswerte für Abminderungsfaktoren FC von fest installierten Sonnenschutzvorrichtungen nach DIN V 4108-6. Es dürfen auch zugesicherte Herstellerangaben verwendet werden.

Beschaffenheit der Sonnenschutzvorrichtung

FC

Ohne Sonnenschutzvorrichtung 1,0
Innenliegend oder zwischen den Scheiben :
  weiß oder reflektierende Oberfläche mit geringer Transparenz*
  helle Farben und geringe Transparenz*
  dunkle Farben und höhere Transparenz

0,75
0,8
0,9

Außenliegend :
  drehbare Lamellen, hinterlüftet
  Jalousien und Stoffe mit geringer Transparenz
  Jalousien allgemein
  Rollläden, Fensterläden
  Vordächer, Loggien, freistehende Lamellen
  Markisen, oben und seitlich ventiliert
  Markisen, allgemein

0,25
0,25
0,4
0,3
0,5
0,4
0,5

* Eine Transparenz < 15% gilt als gering.

Beim sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108-2 wird eine bauliche Verschattung, gekennzeichnet durch einen FS - Wert nicht explizit berücksichtigt. Soll einer baulichen Verschattung z.B. durch benachbarte Gebäude Rechnung getragen werden, können näherungsweise die Verschattungsfaktoren FS nach DIN V 4108-6 verwendet und in die FC - Werte eingerechnet werden. Dies sollte durch entsprechende Hinweise dokumentiert werden.

Anforderungen

Der zuvor ermittelte Sonneneintragskennwert S darf den Höchstwert Szul nicht überschreiten. Der Höchstwert wird als Summe aus allen anteiligen Sonneneintragskennwerten wie folgt ermittelt:

 SzulS D Sx

Als Zuschläge D Sx sind die Werte verschiedener Standortrandbedingungen, Bau- und Betriebsweisen anzusetzen.

Zeile Gebäudelage und Beschaffenheit Anteiliger Sonnen-
eintragskennwert
D Sx
1.1 Gebäude in Klimaregion A 0,04
1.2 Gebäude in Klimaregion B 0,03
1.3 Gebäude in Klimaregion C 0,015
2.1 leichte Bauart: Cwirk/AG < 50 Wh/(Km²) bzw. ohne Nachweis von Cwirk/AG 0,06 fgew
2.2 mittlere Bauart : 50 Wh/(Km²)   Cwirk/AG 130 Wh/(Km²) 0,10 fgew
2.3 schwere Bauart:   Cwirk/AG > 130 Wh/(Km²)   0,115 fgew
3.1 Erhöhte Nachtlüftung mit n ³ 1,5 h-1 bei mittlerer und leichter Bauart + 0,02
3.2 Erhöhte Nachtlüftung mit n ³ 1,5 h-1 bei schwerer Bauart + 0,03
4 Sonnenschutzverglasung mit g 0,4 + 0,03
5 Fensterneigung 0 - 60 gegenüber der Horizontalen - 0,12 fneig
6 Nord-, Nordost- und Nordwest-orientierte Fenster mit Neigung > 60 und Fenster, die dauernd selbst vom Gebäude verschattet sind + 0,10 fnord

mit:

fgew = (Aw + 0,3 AAW + 0,1 AD) / AG

Aw    = Fensterfläche einschließlich Dachfenster in m² (ermittelt nach Rohbaumaßen)
AAW  = Außenwandfläche in m² (Nettofläche aller Außenwände des Raumes)
AD    = wärmeübertragende Dach-/Deckenfläche in m²
AG    = Nettogrundfläche des Raumes/der Raumgruppe in m²

fneig = Aw,neig / AG = Fensterfläche (geneigt) bezogen auf die Nettogrundfläche

fnord = Aw,nord / Aw,gesamt = Fensterfläche nach Zeile 6 bezogen auf die gesamte Fensterfläche eines Raumes

Der Zuschlag für Sonnenschutzverglasungen nach Zeile 4 wird erst gewährt, wenn alle Fenster eines Raumes einen g-Wert von 0,4 unterschreiten. Der nach Zeile 6 definierte Zuschlag für nordorientierte Fenster wird flächengewichtet berechnet. Das bedeutet, dass nur für die Fenster eines Raumes, die dieses Kriterium erfüllen, der Zuschlag von 0,1 * fnord gewährt wird.